Als Werderaner Äpfel zu Gardestiefeln wurden
Ausstellung im Kunst-Geschoss lässt 66 närrische Jahre des Karnevals-Clubs Werder lebendig werden. Eröffnung am 6. November
Es war das Jahr 1977. Die Prinzengarde des Karnevals-Clubs Werder (Havel) sollte endlich einheitliche weiße Stiefel bekommen. Doch in der DDR gab es nicht mal ein Paar zu kaufen. Die Werderaner Karnevalisten fanden eine Lösung: Jemand hatte Beziehungen zur Schuhfabrik VEB Roter Stern in Burg bei Magdeburg. Dort wurden auch Schuhe für die westdeutsche Marke Salamander hergestellt. Für mehrere Kisten Werderaner Äpfel erklärte man sich bereit, die weißen Stiefel für die Garde exklusiv anzufertigen.
Auf einem Foto von 1977 sind die Gardetänzerinnen beim Beinschwung mit ihrem schicken neuen Schuhwerk zu sehen. Eine von ihnen ist Andrea Andriotta Wodak. Fast 50 Jahre später steht sie im Kunst-Geschoss vor den Erinnerungsstücken aus jener Zeit. Mit ihrem Partner, dem Kurator des Kunst-Geschosses Frank W. Weber, sowie den KCW-Ehrenpräsidenten Walter Kassin und Reinhard Bluck und Karnevals-Urgestein Carola Bluck hat sie eine Ausstellung zur Geschichte des Werderaner Karnevals aufgebaut.
Unter dem Motto „Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an“ blickt der Karnevals-Club Werder (KCW) auf mehr als sechs Jahrzehnte Vereinsgeschichte zurück. Die Ausstellung wird am 6. November um 18.30 Uhr mit dem 1. Beigeordneten Christian Große in der Stadtgalerie eröffnet. Bis zum 15. November sind im Kunst-Geschoss Kostüme, Orden, Fotografien und liebevoll geführte Chroniken zu sehen – darunter das Bild der Garde von 1977.
Die ersten Orden waren aus Ton
Auch die Geschichte der Karnevalsorden erzählt vom Einfallsreichtum der Vereinsmitglieder. Zum 30. Jubiläum besorgten sie 100 Orden bei einem Modeschmuckhersteller in Jüterbog – diesmal im Tausch gegen einen Kofferraum voller Werderaner Pfirsiche. Die ersten Orden waren noch aus Ton gebrannt worden, zum fünften Jubiläum fertigte Goldschmied Alfons Link Exemplare dann aus echtem Silber. Horst Bertz, bekannt als „Styro-Horst“, schuf alle Orden in Übergröße aus Styropor als Bühnendekoration.
Zu sehen sind außerdem ein Originalkostüm des Elferrats, wie es bereits seit der zehnten Session getragen wird, das Prinzessinnenkleid der 44. Session, die historischen Kostüme eines Kinderprinzenpaars und zahlreiche Erinnerungsstücke. Die ausgestellten Chroniken des KCW vereinen Urkunden, Zeitungsartikel, Veranstaltungsfotos und Glückwünsche aus allen KCW-Jahrzehnten. Darunter sind Fundstücke wie ein Schreiben des Werkdirektors des VEB Schaltgerätewerk vom 11.11.1975, der zum erfolgreichen Wirken „auf dem Gebiet der leichten Muse“ gratulierte.
Karneval war in den 60er-Jahren schnell Publikumsmagnet
Die Vereinsgeschichte hat 1961 mit dem ersten Empfang des Elferrats im Rathaus und einer Proklamation vor 280 Zuschauern in der Gaststätte Friedrichshöhe begonnen. Der Karneval wurde schnell zum Publikumsmagneten. Auch politische Seitenhiebe gehörten dazu. In der zehnten Session wurden zunächst sämtliche Büttenreden verboten, später sorgten Witze über die DDR-Führung immer wieder für Aufsehen.
Die Ausstellungsexponate stammen aus dem Vereinsfundus und privaten Sammlungen. Zum 60. Jubiläum war eine Ausstellung wegen Corona ausgefallen. Nun wird sie nachgeholt – in einem Umfang, den es laut Walter Kassin bisher noch nicht gegeben hat. Die Ausstellungsmacher von der eigens Gegründeten „AG KCW-Jubiläumse“ (sie heißt wirklich so) kennen die Geschichten hinter den Exponaten. Reinhard Bluck will während der gesamten Öffnungszeiten mit weiteren Mitgliedern vor Ort sein und seine Erinnerungen mit den Besuchern teilen.
Eröffnung mit Gesangsgruppe
Zur Eröffnung tritt die KCW-Gesangsgruppe auf. Außerdem sind Ausschnitte aus einem Film über die Vereinsgeschichte zu sehen, den Carola Bluck geschnitten hat. Nach der ausverkauften Premiere im Scala wird der vollständige Film am 18. November noch einmal im Saal des Schützenhauses gezeigt. Mitten in die Ausstellungswoche fällt zudem am 11. November der Start in die neue Karnevalssession mit dem traditionellen Laternenumzug. Weitere Veranstaltungen kündigt der KCW auf seiner Internetseite an.
Ausstellung: 66 Jahre Karnevalsclub Werder
- Feierliche Eröffnung: 6. November 2026, 18.30 Uhr
- Ausstellungszeitraum: 6. bis 15. November 2026
- Ort: Stadtgalerie KUNST-GESCHOSS, Uferstraße 10, Werder (Havel)
- Öffnungszeiten: Montag bis Freitag: 16 bis 20 Uhr, Samstag und Sonntag: 13 bis 18 Uhr
- Eintritt: frei
Informationen zum Karnevalsauftakt, zur Filmvorführung und weiteren KCW-Veranstaltungen unter:
