Blütenstadt Werder (Havel)

Wirtschaftstag bringt Schüler und Lehrlinge ins Gespräch

Bei der Werderaner Ausbildungsmesse gaben junge Berufsstarter Einblicke in ihren Alltag und ihre ganz persönlichen Karrierewege.
Foto: Stadt Werder (Havel) / hkx
Andrang beim Wirtschaftstag heute auf der Bismarckhöhe. Rund 450 Gäste haben die Werderaner Ausbildungsmesse besucht.

Wie sieht ein Arbeitstag aus? Was überrascht in der Ausbildung? Und war die Entscheidung für den Beruf eigentlich die richtige? Antworten darauf gab es beim Werderaner Wirtschaftstag heute auf der Bismarckhöhe aus erster Hand. Viele der Unternehmen hatten ihre Lehrlinge mitgebracht. Sie kamen mit den Schülern oft besonders schnell ins Gespräch – schließlich ist die eigene Schulzeit bei ihnen noch nicht lange her.

Bürgermeisterin Manuela Saß und der 1. Beigeordnete Christian Große haben die Ausbildungsmesse um 10 Uhr eröffnet. „Das Beste vom Besten aus der Region ist hier beim Wirtschaftstag versammelt, darunter sind einige Weltmarktführer“, sagte die Bürgermeisterin zu den Schülern. Ihre Botschaft an die Jugendlichen: „Ihr müsst nicht weg von der Heimat. Ihr könnt hier in der Region Werder Karriere machen.“

Wie unterschiedlich diese Wege aussehen können, zeigte sich an den Ständen. Da ging es um Nutzfahrzeuge und Diagnosetechnik, um Pflege und internationale Fachkräfte oder um die Frage, was morgens in einem Supermarkt passiert, bevor viele Kunden überhaupt an ihren Einkauf denken.

Vom Praktikum in die Werkstatt

Hannes Neumann ist 18 Jahre alt und im zweiten Ausbildungsjahr zum Kfz-Mechatroniker für Nutzfahrzeugtechnik bei Bausetra. Das Unternehmen beschäftigt rund 100 Mitarbeiter und hat Standorte in Potsdam und Luckenwalde.

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Hannes Neumann (r.) und André Lau von Bausetra im Gespräch mit Besuchern des Wirtschaftstags.

Hannes Neumanns Weg dorthin begann mit Neugier. Als Schüler fuhr er immer wieder am Bausetra-Standort im Industriegebiet Rehbrücke vorbei. „Ich interessiere mich für Technik und habe ein Motorrad. Ich wollte immer etwas Technisches machen, aber etwas, das ein bisschen anders ist.“ In der elften Klasse bewarb er sich für ein Praktikum. Es gefiel ihm so gut, dass er die Ausbildung begann. Den schulischen Teil der Fachhochschulreife hatte er zu diesem Zeitpunkt bereits erworben.

Heute weiß er, dass Nutzfahrzeugtechnik längst nicht nur Schraubenschlüssel bedeutet. „Die Ausbildung erfüllt voll meine Erwartungen. Es ist mehr Elektronik, als ich dachte. Ich habe doch eine ganze Menge mit dem Ausleserechner zu tun.“ Sorgen, dass Künstliche Intelligenz seinen Beruf überflüssig machen könnte, hat er nicht. Seine Arbeit sei schließlich sehr praktisch. Bei Freunden beobachte er allerdings, dass die Entwicklung der KI durchaus Einfluss auf die Berufswahl habe.

Für Ausbildungsleiter André Lau ist das Praktikum der entscheidende Einstieg. Bausetra sei bereits mehrfach beim Werderaner Wirtschaftstag dabei gewesen und habe dort Praktikanten gefunden. „Der Weg zu einem Ausbildungsplatz führt bei uns immer über ein Praktikum.“ Möglich sei das klassische Schulpraktikum ab der achten Klasse. Schüler könnten aber auch die Ferien nutzen, um eine Woche in den Betrieb hineinzuschnuppern.

Karrierewege in der Pflege

Ein ganz anderes Berufsfeld stellte die Karina Hauskrankenpflege vor. Nach Angaben von Miriam Kobela fährt das Unternehmen in der ambulanten Pflege 20 Touren in der Region. „Auch im Pflegebereich kann man Karriere machen. Das ist vielen jungen Menschen nicht klar.“ Nach dem staatlichen Examen seien beispielsweise Studiengänge im Pflegemanagement oder in der Pflegepädagogik möglich.

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Miriam Kobala und Achraf Moutaouakil haben die Karina-Doppelseite in der Ausbildungsbroschüre aufgeschlagen.

Eine wichtige Rolle spielten inzwischen ausländische Fachkräfte. Bei Karina arbeiteten Menschen aus verschiedenen Ländern zusammen. Entscheidend sei vor allem, die deutsche Sprache gut zu beherrschen, so Miriam Kobela.

Wie ein solcher Weg aussehen kann, zeigt Achraf Moutaouakil. Der 24-Jährige stammt aus Marokko und absolviert seit sechs Monaten seine Ausbildung bei den Kliniken Beelitz. Bei Karina verbringt er derzeit einen zweimonatigen Außeneinsatz, der Teil seiner Ausbildung ist.

Auf seinen Weg nach Deutschland hatte er sich bereits in Marokko vorbereitet. Zunächst absolvierte er eine zweimonatige Kurzausbildung beim Roten Halbmond, anschließend Praktika in einem Krankenhaus und in der Pflege. Mit ersten Deutschkenntnissen bewarb er sich über ein internationales Programm der Kliniken Beelitz.

„Die Kommunikation ist der Schlüssel. Deshalb versuche ich, viel zu reden und Deutsch zu sprechen“, sagte Moutaouakil. Seine Ausbildung gefalle ihm gut, und auch im Alltag habe er sich eingelebt. An Deutschland gefielen ihm die Kultur, die Kleidung – und das Feiern. Vieles sei gar nicht so anders als in seiner Heimat. Einen Unterschied hat er allerdings schnell festgestellt: „Wir haben mehr Sonne. Hier gibt es vier Jahreszeiten an einem Tag.“

Vom Einkauf zum eigenen Markt

Nur wenige Schritte weiter erzählten Malena Ehmke und Lennox Grimm, beide im zweiten Ausbildungsjahr bei EDEKA Schneider in Werder, von ihrem Alltag im Einzelhandel.

Die 17-jährige Malena Ehmke interessierte sich schon früh für den Handel. „Ich kaufe gern ein und wollte die andere Seite sehen.“ Ihre ursprüngliche Planung hat die Ausbildung inzwischen verändert. „Ich dachte erst: Ich mache bei EDEKA meine Ausbildung und dann gehe ich woanders hin. Jetzt möchte ich bleiben.“

Auch Lennox Grimm, 18, hat konkrete Pläne. Er berichtete den Schülern, wie ein Arbeitstag im Markt beginnen kann: mit der Qualitätssicherung in der Obst- und Gemüseabteilung. Danach werde sauber gemacht, Ware ausgepackt und eingeräumt.

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Sehen ihre Zukunft bei EDEKA: Malena Ehmke und Lennox Grimm, beide im zweiten Ausbildungsjahr bei EDEKA Schneider.

Demnächst dürfen die Lehrlinge auch an die Kasse. Lennox Grimm interessiert sich aber nicht nur für die einzelnen Aufgaben. Er schaut sich auch an, wie ein Markt insgesamt geführt wird. Sein Ziel steht bereits fest: „Ich möchte selbst einmal eine EDEKA-Filiale haben.“

Rund 30 Aussteller und eine neue Broschüre

Insgesamt präsentierten sich beim Werderaner Wirtschaftstag rund 30 Unternehmen, Einrichtungen und Institutionen. Die Bandbreite reichte von Industrie, Handwerk und Lebensmittelproduktion über Handel, Fahrzeugtechnik und Elektrotechnik bis zu Pflege, Gastronomie, Verwaltung und öffentlichem Dienst. Auch Hochschulen, Berufsschulen, Kammern und Berufsberatung waren vertreten.

So konnten sich rund 450 Schülerinnen und Schüler an diesem Vormittag über ganz unterschiedliche Ausbildungsberufe, duale Studiengänge und weitere Karrierewege informieren.

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Die neue Ausbildungsbroschüre lag erstmals beim Wirtschaftstag aus. Sie stellt Ausbildungsbetriebe aus Werder und der Region vor und soll auch nach der Messe dabei helfen, Angebote nachzuschlagen.

Auch die neue Ausbildungsbroschüre hat Anklang gefunden, sie lag erstmals beim Wirtschaftstag aus. Die Broschüre stellt Ausbildungsbetriebe aus Werder und der Region vor und soll auch nach der Messe dabei helfen, Angebote nachzuschlagen und Ansprechpartner zu finden.

Antwort auf Frage nach passendem Beruf

Die Gespräche auf der Bismarckhöhe machten deutlich, worum es beim Wirtschaftstag neben Ausbildungsplätzen und Berufsbildern vor allem geht: Jugendliche treffen Menschen, die den Schritt von der Schule in den Beruf bereits gemacht haben. Sie können fragen, was gut läuft, was anders ist als erwartet und welche Wege nach der Ausbildung offenstehen.

Und manchmal beginnt die Antwort auf die Frage nach dem passenden Beruf ganz unspektakulär: mit einem Praktikum, mit der Neugier auf die andere Seite des Einkaufens – oder mit dem täglichen Weg an einer Werkstatt vorbei.

Werder (Havel), 10. September 2026