Werder macht Musik für die Senioren

Markus Karelis trompetete auf dem Hof des Casa Reha und des Wachtelwinkels. Eine willkommene Aufmunterung in diesen Tagen!

Foto: Frank W. Weber
Foto: Frank W. Weber

Sie hat es schlimm getroffen. Unsere Seniorinnen und Senioren - also unsere Eltern, Großeltern, Verwandte - gehören nicht nur zur „Zielgruppe“ des neuen Corona-Virus, sie leiden in diesen Tagen besonders unter den Verhaltensanweisungen zur Eindämmung der Pandemie.

Für die Alleinlebenden gibt es in Werder (Havel) soziale Hilfsangebote, zum Beispiel zum Einkaufen, die sie über die Plattform Maerker in Anspruch nehmen können. Doch die sozialen Kontakte fehlen. In den Seniorenresidenzen und Pflegeheimen der Stadt kümmern sich die Pflegerinnen und Pfleger liebevoll, aber Besuche der Verwandten dürfen nicht stattfinden.

Doch auch hier greift die Nachbarschaftshilfe und die Solidarität für andere Menschen in unserer Stadt. Von einem schönen Beispiel kann Frank W. Weber, Künstler und Kurator unserer Stadtgalerie, berichten. Er erhielt in der vergangenen Woche einen Anruf vom Seniorenpflegeheim „Casa Reha am Zernsee“:

„Hallo Herr Weber, hier sind ihre Nachbarn, das Seniorenpflegeheim. Sie machen doch immer Heiligabend Trompetenmusik vom Balkon. Können Sie bitte bei uns für unsere Senioren musizieren? Wir sind am Limit und brauchen dringend etwas Aufmunterung.“

Frank W. Weber musste seine Antwort nicht lange überlegen: „Natürlich, nur ich spiele nicht selbst, dass muss organisiert werden. Ich melde mich ...“ Hintergrund ist, dass der Werderaner Gymnasiast Markus Karelis seit fünf Jahren zum Heiligabend vom Balkon des Atelierhauses Aratora Stücke zur Weihnacht spielt, welche auch für die im Seniorenheim verbliebenen älteren
Mitmenschen als Botschaft hinüber klingen.

Der langjährige Schüler der Kreismusikschule Kreismusikschule Potsdam-Mittelmark Engelbert Humperdinck erklärte sich sofort bereit, ein kleines Konzert zu geben. Am vergangenen Freitagvormittag versammelten sich etwa 50 der 81 betreuten Senioren auf den Balkonen und Terrassen ihrer Appartements bei herrlichem Sonnenschein und Frühlingswetter.

„Für Bettlägerige wurden die Fenster geöffnet. Musiker und Angehörige gehen durch die Desinfektion und wenige Minuten später spielt Markus Karelis elf Stücke auf der Trompete“, wie Frank W. Weber berichtet. „Ein Potpourri von Jazz bis Volkslied und bei einigen Stücken wurde sogar mitgesungen.“ Eine Mitbewohnerin sprach mit Altersweisheit zu einer anderen: „Applaus ist für Musiker oftmals mehr wert als eine Gage!“

Wie vielerorts in Werder und anderen Städten appellieren auch an der Brüstung der Balkone des Seniorenheimes die Mitarbeiter mit einem Textband an die Angehörigen „#WIR BLEIBEN FÜR EUCH DA, BLEIBT IHR BITTE FÜR UNS ZU HAUSE!“

Eine Mitarbeiterin berichtete Frank W. Weber, dass sie alles geben und unter erschwerten Bedingungen versuchen, den älteren Menschen eine angenehme Zeit zu ermöglichen. Er stellt fest: „Nun, in Zeiten der globalen Nachrichten ist unseren Mitmenschen sicherlich nicht entgangen, wie es in einem Pflegeheim in Spanien aussah. Daher ist die Leistung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vom Seniorenpflegeheim nicht hoch genug einzuschätzen und zu würdigen! Und es steht fest, gute Nachbarschaft ist Garant für Hilfe im Notfall.“

Nach rund 20 Minuten beendete Markus mit den Worten: „Das war mein kleines Dankeschön-Konzert an Sie alle!“ Der junge Musiker zog sogar noch weiter zum Awo-Seniorenzentrum Wachtelwinkel und spielte dort auch noch ein paar Stücke.

Dort und vor dem Awo-Seniorenzentrum Schwalbenberg gaben zuvor die Klinikclowns vom Verein Lachen hilft e.V. ein Konzert. Die Spaßmacher, die normalerweise viel mit Berührungen arbeiten, hielten natürlich auch den gebotenen Abstand.

(Text: Frank W. Weber und Ellen Fehlow)

Werder (Havel), 30.03.2020