Nicht mehr zum Hausarzt? Keine gute Idee

Werderaner Hausärzte: Patienten mit akuten Schmerzen sollten in die Praxen kommen. Die Gefahr eines Kontakts mit einem Corona-Fall sei gering

Mit Harnwegsinfekt, Blutdruckkrise oder Rückenschmerzen nicht zum Hausarzt? Das ist keine gute Idee. Dennoch beobachten Werderaner Hausärzte derzeit, dass einige Patienten selbst mit akuten Schmerzen nicht mehr in die Praxis kommen. „Es ist richtig, wenn die Leute mit einer kleinen Erkältung oder Rezept-Verlängerung einfach beim Hausarzt anrufen“, sagt Dr. Oliver Simsch. Bei ernsteren Erkrankungen sollten sie aber mit einem Arztbesuch nicht zu lange warten.

Dr. Simsch wendet sich im Namen der rund 15 Ärzte, die am 18. März die Anlaufstelle für Atemwegserkrankungen in der Turnhalle des Gymnasiums ins Leben gerufen haben, an die Werderaner. Viele dieser Ärzte würden zurzeit beobachten, dass sich die Patienten wegen der Corona-Pandemie nicht mehr in die Praxis trauen. Diese Befürchtung sei unbegründet, soweit zu Hause und beim Weg in die Praxis die geltenden Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden. 

„Die Anlaufstelle für Atemwegserkrankte wird von Erkältungs- und Corona-Verdachtsfällen gut angenommen. Sie ist mit den getrennten Wartebereichen in der Turnhalle und den getrennten Behandlungsbereichen hervorragend eingerichtet“, sagt Oliver Simsch. Zugleich sei im Raum Werder die Gefahr, im Wartezimmer des Hausarztes mit einem Corona-Verdachtsfall  in Kontakt zu kommen, damit sehr gering.

„Patienten mit Beschwerden außerhalb von Erkältungen können problemlos weiter zu ihren Hausarztpraxen in Werder  kommen“, betont der Allgemeinmediziner. Er selbst habe am Montag nicht einen Erkältungskranken in der Praxis gehabt - während die Anlaufstelle für Atemwegserkrankte von 64 Patienten aufgesucht wurde.

„Wir Ärzte können dank der Anlaufstelle unsere Patienten in dieser Situation entspannter behandeln“, sagt Dr. Oliver Simsch. Für alle Patienten mit Atemwegsinfekten sei die Anlaufstelle eine gute und sichere Adresse. Die Botschaft an alle anderen, ob chronisch kranke oder ältere Patienten laute: Sie können weiter mit ruhigem Gewissen in die Arztpraxis kommen. 

Werder (Havel), 30.03.2020