Werder macht Großreine

Jetzt sind (fast) alle zu Hause, machen noch mehr Dreck, wirbeln mehr Staub auf. Es wird täglich gekocht und viel getobt. Das Ergebnis ist ein klarer Fall für den großen Frühjahrsputz

Foto: silverkblack  / stock.adobe.com
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Und, wie geht’s in diesen wahrhaftig ‚merk’würdigen Tagen? Denken Sie schon darüber nach, Ihren Lieben die Haare zu schneiden? Unser Tipp: Lassen Sie es sein. Machen Sie doch mal etwas, das Sie sonst immer aufschieben: Socken sortieren, die tausend Bilder auf dem Computer sichten und hunderte löschen, ebenso die anderen unnötigen Dateien, die den Rechner immer langsamer werden lassen.

Dabei drehen sich die Gedanken mal nicht um Corona. Denn wer es nicht ohnehin ist, wird in diesen Zeiten zum „Nachrichtenjunkie“. Immer wieder den Radionachrichten lauschen, im Fernseher gibt es Neuigkeiten, Reportagen und Hintergründe - umschalten, umschalten, umschalten - aber was ist das? Die Fernbedienung! Meine Güte, ist die schmutzig.

Man schaut sich im Wohnzimmer um - Staub, überall Staub! Und auch die Sonne kommt kaum noch durch die Fenster. Natürlich hat man seine kleinen Putzroutinen, der tägliche Haushaltskram und die Wäsche, das schnelle Durchsaugen aller Zimmer, Türgriffe abwischen, Waschbecken und Toilette putzen - das läuft, denn „das bisschen Haushalt“ macht sich leider immer noch nicht von allein.

Jetzt sind aber (fast) alle zu Hause, machen noch mehr Dreck, wirbeln mehr Staub auf. Es wird täglich gekocht und viel getobt. Das Ergebnis ist ein klarer Fall für den großen Frühjahrsputz. Bevor man diesen Beschluss den teilnehmenden Familienmitgliedern verkündet, ist aber erstmal die Fernbedienung dran. Ist ja peinlich. Das geht am schnellsten mit einem nur leicht feuchten Lappen, einer alten Zahnbürste und Wattetupfer.

Wasser, Essig und ein kleines Tröpfchen Spülmittel braucht man, keine Spezialreiniger. Ein guter Frühjahrsputz will ordentlich geplant sein - erfahrene Hausfrauen und -männer schwören natürlich auf das „von oben nach unten und zuletzt das Bad“ System. Ein richtiger Hausputz ist anstrengend und schweißtreibend, die täglichen Fitnessübungen stecken da schon mit drin.

Wichtig: ein Raum nach dem anderen. Zuerst muss aus dem Zimmer alles entfernt werden, was nicht hineingehört und was nur so rumsteht oder -liegt. Eine überaus befreiende Erfahrung kann man machen, wenn man dabei gleich einige Dinge in einen Karton legt, der später ins Sozialkaufhaus (es gibt eins in Potsdam) oder zur Tee- und Wärmestube von Werder gebracht wird. Haben wir nicht alle irgendwie von allem zu viel?

Dann beginnt man oben - also damit, die Spinnweben in den Ecken an der Decke zu entfernen, die Gardinen abzunehmen, dann die Lampenschirme zu reinigen, die Bilderrahmen an den Wänden abzuwischen. Couchdecken und Kissen kommen in die Waschmaschine. Dann sind die Heizkörper dran, die Fensterrahmen, die Lammellen der Jalousien (ja, das ist mühsam), die Fensterscheiben.

Die Fächer im Regal von oben nach unten ausräumen (dabei wandert bestimmt noch etwas in den Karton), auswischen, wieder einräumen, restliche Flächen abwischen. Staubsaugen und wischen, falls es keinen Teppichboden gibt. Das ist schnell aufgeschrieben - dauert aber je nach Größe des Zimmers mehrere Stunden. Also für den gründlichen Frühjahrsputz gern mal zwei Tage einplanen.

Die Küche dauert meist am längsten, wenn man konsequent einmal alles ausräumt, auswischt und wieder einräumt und sogar das Brotkörbchen mit Salzwasser gereinigt, die Gewürze sortiert und den Backofen mit Backpulver, Salz oder auch Natron wieder blitzblank bekommen hat. Statt mit Nachrichtensendungen geht’s mit Musik leichter und man braucht auch gar nicht so viele Putzmittel, wie uns die Werbung immer weis machen möchte.

Wie bei den meisten Dingen im Leben gilt auch hier: Weniger ist mehr. Braucht man wegen der Corona-Pandemie gerade viel Schaum zum Händewaschen, sorgt ein Zuviel an Putzmittel-Schaum beim Fensterputzen höchstens für Schlieren. In Spezialreinigern, die ein Höchstmaß an Sauberkeit versprechen, steckt meist auch sehr viel Chemie. Eigentlich kommt man mit den guten alten und noch dazu sehr preiswerten Hausmitteln aus, die unsere Oma schon nutzte.

Ein normales Spülmittel, Essig, ein paar Tüten Zitronensäure, Waschsoda, Kernseife und Natron - viel mehr braucht es in Kombination nicht. Ein klasse Mehrzweckreiniger entsteht beispielsweise, wenn man einen halben Liter Wasser mit einem Esslöffel Waschsoda mixt und in eine Sprühflasche füllt. Für streifenfreie Fensterscheiben ist das  allerdings nicht geeignet, da ist lauwarmes Wasser, ein Tröpfchen Spülmittel und ein Schuss Essig oder eine Wasser-Natron-Mischung noch immer das Beste. Wer den Essiggeruch nicht mag, putzt die Armaturen in Bad und Küche mit Zitronensäure, das geht auch mit Zitronenschalen.

Kalkflecken kann man aber auch mit Kartoffelschalen entfernen. Sogar Nudelwasser kann zum Putzen genutzt werden. Die enthaltene Stärke wirkt gegen Fett und Verschmutzungen und ist die geheime Superkraft des Nudelwassers, das sonst einfach so weggeschüttet wird. Wetten, dass Sie nie wieder Nudeln abgießen, ohne an diesen Tipp zu denken?

Zitronensäure ersetzt übrigens auch den wesentlich teureren Entkalker für Elektrokleingeräte. Dafür muss das Wasser nicht mal kochen, im Gegenteil: im Wasserkocher einfach ein paar Stunden oder über Nacht einwirken lassen und ausspülen. Ein paar Gramm mehr von der Zitronensäure, die es nicht nur in den kleinen Tütchen zu kaufen gibt, braucht man, um die Waschmaschine zu putzen und in einem 60-Grad-Programm zu entkalken.

Zu guter Letzt kann man mit einer Wasser-Zitronensäure-Mischung auch Ton-Blumentöpfe von den weißen Rändern befreien. Dabei Geduld haben: die Töpfe in einem Eimer mit Wasser und Zitronensäure ein, zwei Tage einweichen. Dann mit einer Bürste abbürsten.

 

Na, alles geschafft, alles strahlend sauber? Glückwunsch, der Frühling kann und wird kommen.

(Text: Ellen Fehlow)

 

Werder (Havel), 9.04.2020