Ostergrüße aus Peking

Olaf Möldner stammt aus Werder und ist vielen als Sportfotograf bekannt. Jetzt lebt er mit seiner Familie in Peking und arbeitet dort als Erzieher. Mit seiner Kamera dokumentiert er den chinesischen Corona-Alltag

Olaf Möldner mit seiner Familie im Arrows in Peking.
Olaf Möldner mit seiner Familie im Arrows in Peking.

Olaf Möldner ist in Werder aufgewachsen und lebt jetzt in Peking. Wie am Ostersamstag Kristin Solbach hat er uns ein paar Fragen beantwortet und grüßt die Blütenstadt aus der Ferne.

Wie ist das Wetter derzeit bei Euch?

Das Wetter ist typisch frühlingshaft für die Peking-Region. Nun der Frühling kommt immer sehr schnell und ist in der Regel kurz, das heißt, der Übergang zum Sommer ist nur etwa 4 bis 6 Wochen. Dieses Jahr ist das etwas anders. Etwa seit drei Wochen ist es warm - so im Schnitt zwischen 10 und 18 Grad Celsius. Wir hatten aber auch schon drei Tage 27 Grad. Die Pflanzen sind voll in der „Japanischen Kirschblüte“, Winterjasmin, Forsythie, Mandelbäume und unterschiedlichste Obstbäume, alles blüht ... in den Parks aber auch in den Bergen rund um Peking.

Wie lange lebst Du jetzt in Peking?

Lou Fides, meine jüngste Tochter, und ich leben seit August 2018 in Peking. Heike, meine Frau ist seit Januar 2020 auch fest hier.

Wie geht Ihr mit der Corona-Pandemie um?

Wir halten uns an die vorgegebenen Regeln. Das heißt, was ja eigentlich sowieso immer geschehen sollte. Die normale häusliche Hygiene, Hände waschen, Niesen in den Ellenbogen ... Essen, wie Obst etc. vor der Verarbeitung bzw. Verzehr gründlich waschen. Handy-Oberfläche und Türklinken öfter reinigen. Nun, wir verfallen nicht in Hysterie und es gab vom Deutschen Botschaftsarzt eine allgemeine Einführung in das Thema „Corona Virus“.

Als erstes hatten wir eine Quarantäne von der Arbeit und der Erziehungskommission aus einzuhalten. Die war 14 Tage lang. Dazu war angeraten, die Empfehlungen des Botschaftsarztes und der chinesischen Institutionen einzuhalten. Maskenpflicht im öffentlichen Raum, Metro und so weiter, Temperatur messen an Eingängen zu Gebäuden, beispielsweise Supermarkt oder Parkanlagen.

Die Vorschriften änderten sich teilweise täglich. Die Quarantäne- und Einreisebestimmungen sind auch von Tag zu Tag angepasst worden. Dadurch gab es immer neue kleine Unannehmlichkeiten, die einen schon in Summe stressten. Derzeit bleibt alles stabil und man merkt, es wird etwas „normaler“. Es haben wieder viele Geschäfte geöffnet, aber es gibt auch regional im Raum Peking große Unterschiede.

Was arbeitest Du jetzt?

Ich bin an der Deutschen Botschaftsschule Peking angestellt und arbeite als Pädagoge in der Vorschule.

Wie oft fotografierst Du noch?

Die Fotografie. Ja, das ist wirklich ein tolles Erlebnis für mich. Ich war 2006 das erste Mal in Peking - als Sportfotograf zu einer U20 Weltmeisterschaft der Leichtathleten. Damals habe ich mir gewünscht, dass ich hier nochmal herkomme und mir das in Ruhe anschaue, wie das Leben hier so stattfindet. Heute lebe ich hier und fotografiere regelmäßig. Ob bei Ausflügen oder auf dem Weg von und zur Arbeit. Es bieten sich immer Fotomotive!

Und im Moment habe ich einen historischen Augenblick eingefangen, den ich später auch gerne einmal zeigen möchte. Vielleicht in der Stadtgalerie Werder? Zum Chinesischen Neujahr sind die Chinesen traditionell in den Familien auf dem Land. Und Peking ist dann sehr leer ... diesmal quasi für vier Wochen so leer, dass ich dachte, ich wohne alleine hier. Ich habe das dokumentiert. Am 27. Januar kam meine Frau, um ihre Arbeit am 1. Februar zu beginnen, auf dem Capital Airport Beijing an. Auf dem Flughafen traf ich Andreas Landwehr von der DPA, wir haben uns sehr intensiv unterhalten und festgestellt, dass unsere beiden Frauen in der gleichen Maschine fliegen, aber auch, dass die Ausmaße größer werden werden als bei SARS.

Woran erinnerst Du Dich zuerst, wenn Du an Werder denkst?

Die Baumblüte! Werder ist überschaubar, ein Kleinod in schöner Landschaft. Ich finde Werder toll. Ich bin hier aufgewachsen. Und der Leistungssport hat mich in die Welt rausgetragen.

Feiert Ihr Ostern?

Hier wird Ostern nicht gefeiert. Man kann es feiern, aber das ist nicht so wie in Europa.

Wen möchtest Du grüßen in der Heimat?

Ich grüße alle die mich kennen und wünsche trotz dieser ungewöhnlichen Situation ein schönes Osterfest und bleibt gesund!

(Notiert von Ellen Fehlow)

Werder (Havel), 10.04.2020