Kartoffeln wachsen fast überall

Nicht nur Speisekartoffeln, auch Saatkartoffeln sind in der Corona-Krise stärker nachgefragt. Auch viele Werderaner nehmen ein Teil der Versorgung offenbar selbst in die Hand

Günther Scholder, scherzhaft „Kartoffelkönig“ genannt. Foto: Ellen Fehlow
Günther Scholder, scherzhaft „Kartoffelkönig“ genannt. Foto: Ellen Fehlow

Von seinen Nachbarn an den Ständen des Werderaner Frischemarktes wird Günther Scholder scherzhaft der „Kartoffelkönig“ genannt. Seit Jahren kommt er mit verschiedenen Sorten der „Erdäpfel“ aus Wölmsdorf in die Blütenstadt. Wölmsdorf ist ein Ortsteil der Gemeinde Niedergörsdorf im Landkreis Teltow-Fläming in Brandenburg.

Mit seiner Frau Helga Scholder bewirtschaftet der Rentner inzwischen nur  noch einen Hektar. „Das ist nur noch nebenbei, mehr als Hobby. Zum Leben würde das nicht ausreichen, das rechnet sich nicht“, sagt Günther Scholder.

Sein Kartoffel-Tipp - nicht nur jetzt zur Spargelsaison - lautet „Birgit“. Die mittelfrühe Kartoffel sei halbfest, außen leicht rötlich und innen schön gelb, so der Fachmann. Wem jetzt das Wasser im Mund zusammenläuft: Die schmackhafte „Birgit“ wird Scholder neben anderen Sorten am Samstag auf dem Frischemarkt anbieten.

Weltweit gibt es rund 7000 Kartoffelsorten, davon werden laut Wikipedia jährlich etwa 376 Millionen Tonnen Kartoffeln geerntet. Die Kartoffel ist eines der wichtigsten Nahrungsmittel der Welt, daneben aber auch Futtermittel und Industrierohstoff. Die Corona-Krise hat die Nachfrage nach Speisekartoffeln in Deutschland zuletzt kräftig steigen lassen. Und nicht nur das, auch die Nachfrage bei Saatkartoffeln erhöhte sich.

„Da kann ich nur noch kleinere Mengen anbieten“, bedauert Scholder. Die „Sorten „Gala“ und Afra“ wird er am Samstag aber noch mitbringen, denn offensichtlich planen viele Werderanerinnen und Werderaner, einen Teil ihrer Versorgung selbst in die Hand zu nehmen. Also die große Frage: 

Wie pflanze ich das?

Bei Kartoffeln ist das gar nicht so schwer. „Noch den ganzen April können die in den Boden“, im Mai ist es oft zu trocken“, lautet Scholders Tipp. Wie man es nun nennt, wenn die Saatkartoffeln in die Erde kommt - setzen, legen oder pflanzen - mindestens sieben, besser zehn Grad warm sollte der Boden schon sein.

Nicht alle Kartoffeln, die für den Topf bestimmt sind, eignen sich für die Pflanzung. Dafür gibt es ja die speziellen Pflanzkartoffeln, die sind nicht - wie die konventionelle Kartoffel - mit Keimstoppmitteln behandelt. Eine Ausnahme sind Bio-Kartoffeln, die eignen sich auch für den heimischen Anbau, weil sie unbehandelt bleiben.

Eigentlich ist der Spruch „Die dümmsten Bauern ernten die dicksten Kartoffeln“ zwar eine wirklich sehr hochnäsige Abwertung der schweren landwirtschaftlichen Arbeit, kann aber stimmen, wenn jemand, der keine Ahnung hat, dennoch viele dicke Kartoffeln erntet.

Also rein mit den Kartoffeln in den vom Unkraut befreiten lockeren Boden. Nicht tiefer als zehn Zentimeter und in einem Abstand von rund 30 Zentimetern kommen die Kartoffeln in die zuvor gezogenen Furchen. Zwischen den Furchen bleibt ein Reihenabstand zwischen 60 und 80 Zentimetern. Die Furchen wieder schließen, alles glatt harken. Sobald sich die ersten grünen Stängel mit Blättern zeigen, wird regelmäßig angehäufelt.

Damit wird verhindert, dass die „Tochterknollen“ aus der Erde herauswachsen und die Pflanze hat mehr Platz in der Erde. Dabei kann man gleich noch das Unkraut zupfen. Regelmäßig wässern ist wichtig. Schon nach drei Monaten fangen die Pflanzen an zu welken - die eigene Ernte beginnt danach nach zwei bis drei Wochen!

Wer keinen Garten hat, nutzt einfach Eimer oder Säcke für den Anbau des nahrhaften Nachtschattengewächses. Es gibt sogar entsprechende Kartoffeltöpfe, die die Ernte durch ein „2 in 1 Topfsystem“ erleichtern. Wichtig bei Eimern oder Säcken ist, das überschüssiges Wasser abfließen kann.

Die Erdschicht darf beim Pflanzbeginn nicht zu hoch sein, denn auch hier muss mehrfach angehäufelt werden, bis das Pflanzgefäß voll und die Ernte in Sicht ist.

(Text: Ellen Fehlow)

 

Foto: Günter Rupprich_Pixabay
Foto: Günter Rupprich_Pixabay

Werder (Havel), 15.04.2020