Hilfe gegen den Corona-Koller

Kummer, Stress und Einsamkeit? Die Sozialarbeit in Werder (Havel) funktioniert auch während der Corona-Pandemie, wenn auch auf Abstand

Foto: Stadt Werder (Havel)/ elfe
Foto: Stadt Werder (Havel)/ elfe

Keine Praktika, keine Kumpel, keine Partys - dafür zum zehnten Mal „Mensch ärgere dich nicht“- Spiele mit Eltern und Geschwistern? Da kann Frust aufkommen - in der ganzen Familie. Kinder, Jugendliche und Eltern sitzen in einem Boot - so lange alle in die gleiche Richtung rudern, klappt das. Das kann eine ganze Weile, aber nicht nonstop gut gehen, erst recht nicht, wenn die
Corona-Bremse dazu führt, dass die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen gehemmt wird.

Naturgemäß wollen und sollen sie in ihren Entwicklungsphasen Austausch und Kontakt mit Gleichaltrigen haben. Und in jedem noch so starken Familienverbund kann es Streit geben. Den zu schlichten gelingt innerhalb der Familie nicht immer. Viele Kinder und Jugendliche machen sich zudem Sorgen - nicht nur um den Verlust ihrer sozialen Kontakte, um das Fortkommen in der Schule, auch um die vielleicht kommende finanzielle Situation in der Familie.

In Werder (Havel) sind derzeit weder das Familienzentrum noch das Jugendhaus geöffnet. Dennoch gibt es vielfältige Hilfsangebote. Wer es nicht mehr aushält in der verordneten Isolation, sollte die Angebote dringend nutzen. „Wir bekommen einige Anrufe“, bestätigt Carolin Sommerkorn vom Jugendclub, sie ist unter 0176-100 498 23 erreichbar. Wichtiger seien aber die digitalen Netzwerke: „In der Jugendarbeit läuft viel über Social Media. Facebook, Instagram - da laufen die Kontakte. Über Facebook-Umfragen beispielsweise kommt man in den Austausch“, berichtet sie.

Sommerkorn ist wie ihr Kollege Nils Sahlmann im Jugendhaus „Club 01“, Stefanie Lubitz, Franziska Rauch und Ursula Gätke sind im Familienzentrum als Sozialarbeiter für die Stiftung Job e.V. in unser Stadt tätig. Und noch vier weitere Sozialarbeiter der Stiftung sind nicht nur in Zeiten der Corona-Pandemie Ansprechpartner für Eltern, Kinder und Jugendliche: Rodrigues Jorge als mobiler Sozialarbeiter (Tel. 0176-100 498 35), Felix Paul an der Karl-Hagemeister-Grundschule, Adina Salewski an der Carl-von-Ossietzky-Schule sowie Anja Zaremba an der Schule am Plessower
See.

Rückmeldungen von den Jugendlichen kämen insbesondere durch das Liken und Teilen der Beiträge auf Facebook oder Instagram, informiert Carolin Sommerkorn. Wenn den Jugendlichen die „Decke auf den Kopf fällt und es Problemchen gibt“, könne das auch per Chat besprochen werden. Noch rechtzeitig habe man es geschafft, viele Jugendliche direkt zu informieren: „Rodrigues und ich waren - bevor das mit Corona losging - in der Stadt an den Treffpunkten der Jugendlichen unterwegs und haben Flyer mit unseren Kontaktdaten verteilt.“

Rodrigues Jorge ist üblicherweise in der Kernstadt sowie in den Ortsteilen unterwegs und trifft die Jugendlichen da, wo sie sich aufhalten: beispielsweise am Plantagenplatz in Werder oder auf dem
Marktplatz in Glindow. Jorges Mobilität ist derzeit ebenso zwangsweise eingeschränkt, aber auch er kann per E-Mail oder Telefon beraten, helfen, unterstützen.

„Jugendclub ohne Euch ist langweilig“ ist das Motto der sehenswerten kleinen Videos auf der Facebookseite des Jugenclubs, dort gibt es auch die Umfrage, was sich die künftigen Nutzer für
das neue soziale Zentrum für Kinder, Jugendliche und Familien in der Adolf-Damaschke-Straße wünschen. Bis zum Umzug ins unter diesem Link bereits beschriebene „Haus am See“ ist
der „Club 01“, gemeinsam mit dem Familienzentrum in der Remise der Heilig-Geist-Kirchengemeinde untergebracht. Ob in die Remise oder künftig ins Haus am See - eingeladen sind immer auch geflüchtete Familien, darauf legen alle Sozialarbeiter sehr großen Wert.

Dort können die Jugendlichen Freunde treffen, Tischkicker und Gesellschaftsspiele spielen, gemeinsam kochen oder über ihre Sorgen und Probleme sprechen. Die Fachbereichsleiterin Ambulante Hilfen zur Erziehung Janny Flaccus von der Stiftung Job e.V. stellt fest: „Kinderschutz setzt ja wegen Covid nicht aus. Unsere Helfer aus dem Fachbereich für Erziehung sind trotzdem an den Familien dran, sie werden telefonisch betreut. Im Bedarfsfall gibt es unter Beachtung der Hygiene- und Abstandsregeln auch direkten Kontakt. Wir arbeiten immer in ganz enger Abstimmung mit dem Jugendamt."

Dass man Probleme auch telefonisch besprechen kann, bestätigt Franziska Rauch vom Familienzentrum in Werder. Eltern oder Alleinerziehende mit Fragen oder Ängsten könnten unter
0176-100 200 86 oder 0176 102 818 92 anrufen. „Das klappt gut“, sagt sie. Im Familienzentrum wird zudem wöchentlich neu eine digitale „Wochenkiste“ gepackt. Stefanie Lubitz: „Darin gibt es
vielfältige Anregungen zum Basteln oder für Aktivitäten und Rezepte.“ Eine Hilfestellung für Familien, den Tag ein wenig zu strukturieren.

Durch die Pandemie würde man auf andere Weise erfindungsreich und denke viele Sachen ganz neu. „Das geht gar nicht anders. Wir wollen ja trotzdem helfen und Kontakt halten.“ Die Mitarbeiterinnen des Familienzentrums sind für werdende Eltern, Mütter, Väter und Großeltern mit Babys und Kindern bis 12 Jahre da.

Felix Paul, seit Februar Schulsozialarbeiter in Werder, ist bereits wieder stundenweise an der Karl-Hagemeister-Schule anzutreffen, da die 6. Klassen wieder zur Schule gehen. Er hatte zuvor einen
Elternbrief geschrieben, um Kontakt zu den Kindern herzustellen. Galt bislang die Devise, in den sozialen Medien Maß zu halten, könne „der Technikfortschritt eine Hilfe sein, um soziale Kontakte
weiterhin zu pflegen. Bitte seien Sie ihren Kindern dabei behilflich, mich auf diesem Weg zu finden! Würden Sie ihnen einen Facebook Account erstellen? Dürfen sie vielleicht Ihren in den
nächsten Wochen nutzen? Bitte begleiten Sie ihr Kind im Internet!“, hieß es in dem Brief. Felix Paul ist per E-Mail oder Telefon erreichbar: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! , Tel. (03327) 571 730.

Adina Salewskie, Schulsozialarbeiterin für die Primarstufe an der Carl-von-Ossietzky-Schule, hat ihren Kontakt auf der Startseite der Website der Schule veröffentlicht. Kindern, Eltern und Lehrer
will sie ermuntern, sich bei ihr zu melden, wenn es Probleme oder Fragen gibt. Da sich die Schülerinnen und Schüler die Hausaufgaben von der Website holen, könne man den Kontakt zu
Adina Salewski nicht übersehen: E-Mail Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! .

(Text: Ellen Fehlow)

Werder (Havel), 12.05.2020