Ein Eisschlitten fürs städtische Museum

Konzeptkünstler Andreas Slominski überlässt der Stadt Werder (Havel) ein antikes Gefährt

Ein ganz besonderes Geschenk hat unsere Stadt Werder (Havel) zu Weihnachten bekommen. Der Konzeptkünstler Andreas Slominski, der – in Meppen geboren - inzwischen auch in unserer Blütenstadt lebt und arbeitet, übergab einen Eisschlitten für das künftige Stadtmuseum. Sein Mitarbeiter Nils Gunke (Video) brachte das wunderbare alte Stück zum Lindowschen Haus.

Wie alt der bereits modifizierte und restaurierte Schlitten ist, können wir nicht mehr feststellen. Andreas Slominski erwarb ihn 2002 in Werder, zur Historie des guten Stückes weiß er leider nichts zu berichten, weil ihm beim Kauf auch nichts mitgeteilt wurde. Wir gehen mal davon aus, dass er bereits einige Winter auf der Havel dienlich war. Gegen einen Neubau spricht im Übrigen die Nichtverwendung von Schrauben oder Nägeln.

Vielleicht gehörte er einst einer Fischerfamilie? Die Fischerei ist ja mit ziemlicher Sicherheit das älteste Gewerbe unserer Stadt. Schließlich begann die Geschichte unserer Stadt auf der Insel – umgeben vom Wasser. Fischfang als Ernährungsgrundlage und natürlich auch zum Handeln – über viele Jahrhunderte prägten die Familien der Fischer das Leben auf dieser heute unter Denkmalschutz stehenden Insel.

Die Gründung Werders als Fischerdorf geht vermutlich auf das 9. oder 10. Jahrhundert zurück, aber erst 1317 gab es die urkundliche Ersterwähnung der Stadt. Noch immer gibt es hier Berufsfischer, einige können auf eine sehr lange Familientradition stolz sein.

Womöglich war unser Schlitten also dabei, wenn sich unsere Fischer im 19. Jahrhundert zum winterlichen Eisfischen versammelten. Ganz früh am Morgen zogen sie mit ihren so genannten Pieckschlitten auf das Eis der Havel. Das war kein fröhliches Eisangeln, bei dem man warm eingemummelt vor dem Eisloch sitzend darauf wartet, dass die Pose untergeht – und dabei immer mal einen kräftigen Schluck aus der Thermosflasche nimmt. Für die Knochenarbeit der Eisfischerei brauchte es Erfahrung und gute Zusammenarbeit.

Verschiedenste Piekschlitten kann man entdecken, wenn man den Begriff recherchiert. Unsere Havelfischer scheinen sich auf zwei angespitzte oder mit Eisenspitze versehenen Holzstangen verlassen zu haben, um auf dem Eise vorwärts zu kommen, während es im norddeutschen Bereich auch so genannte Peekschlitten gab, bei denen sich der Nutzer nur mit einer „Pieke“ durch ein mittiges Loch im Schlitten bewegte.

Anschaulich wird das alte Gewerbe der Fischer übrigens im Ende des vergangenen Jahres erschienenen Band 7 „Im Zentrum der Ortsgeschichte“ unserer Ortschronik beschrieben (Seite 38 ff), in dem auch das Bild mit den Piekschlitten zu sehen ist (Video). Ausführlich wird die Geschichte der Fischerei in Werder auf rund 100 Seiten im Band 4 „Erste Großgewerbe“ der Chronik „Werder (Havel) - 700 Jahre Ortsgeschichte“ vermittelt.

Einen weiteren und ebenso schönen antiken, wenn auch behutsam modernisierten Sesselschlitten sowie einen uralten Piekschlitten besitzt die Stadt bereits. Die zum Zeitvertreib auf dem Eis benutzten Schlitten waren weitaus komfortabler mit Rückenlehne, wie auf dem Bild zu erkennen ist. Da ging es nicht um die Fischerei - in diesem Gefährt ließ es sich trefflich übers Eis spazieren fahren, denn wer die Freude hatte, derart geschoben zu
werden, konnte die gefrorene Havellandschaft sitzend genießen.

In einer Ausstellung im Werderpark gibt es derzeit einige schöne Schlitten-Exemplare - auch von Fischern - zu sehen.

Text: Ellen Fehlow

Werder (Havel), 13.01.2021