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Wanderfreuden vor der Haustür: Der Fernwanderweg E 10 verbindet Nordfinnland mit Südspanien - und Phöben mit Werder

Immer den blauweißblauen Markierungen hinterher! Foto: Stadt Werder (Havel) / elfe
Immer den blauweißblauen Markierungen hinterher! Foto: Stadt Werder (Havel) / elfe

Spazierengehen, laufen, wandern – wir genießen in und um Werder (Havel) das große Glück, die Natur meist fast direkt vor der Haustür zu haben. Und in diesen Tagen zieht es Groß und Klein hinaus. Für viele gehört es schon immer in die Wochenplanung, andere, auch Gäste unserer Stadt, entdecken ausgedehnte Spaziergänge jetzt für sich neu. 

Eine schöne Strecke – auch für Anfänger gut zu bewältigen – ist eine kleine Teilstrecke des Fernwanderweges E 10, die in Werders Ortsteil Phöben beginnt und über Kemnitz nach Werder führt. Der Fernwanderweg E 10 verbindet den Norden Finnlands mit dem Süden Spaniens.

Phöben wird immer hübscher

Nach Phöben kommt man mit dem Bus 632.

Phöben ist ein immer hübscher werdendes Straßendorf. Erholungsuchende sind aus der Mitte des Dorfes schnell entweder am Wasser oder im Wald. Wir wollen aber heute wandern, also werfen wir noch einen Blick auf die 1756 errichtete Dorfkirche. Phöben ist alt, schon um 800 gründete ein Slawenstamm der Heveller das Örtchen mit dem Räuberberg als Burg. Die Heveller waren es auch, die der Havel ihren Namen gaben. 

Nun aber der entspannte „Aufstieg“ auf den 84 Meter hohen Wachtelberg. Am Beginn der gleichnamigen Straße steht das erste Hinweisschild auf den Wanderweg E 10. 

Folgt man dem Schild, hat man im weiteren Verlauf vom so genannten „Sandberg“ bei klarer Sicht einen herrlichen Blick übers Dorf, nach links schauend auf die Insel Töplitz, mittig auf die Havellandschaft und über die Autobahnbrücke hinaus bis nach Potsdam und Berlin.

Außerdem bemerkenswert: der Weinberg. Der Phöbener Wachtelberg ist als Qualitätsweinlage registriert und gehört zum Anbaugebiet Saale/Unstrut. Seit 2011 bewirtschaftet die Familie Poel den Weinberg. Der Wein ist benannt nach einem Zisterzienser „Kagelwit“ des Kloster Lehnin, zu dessen Besitzungen der Weinberg im 14. Jahrhundert gehörte. Doch auch den Weinberg heben wir uns für einen späteren erneuten Besuch in Phöben auf. 

Den blauweißblauen Markierungen folgend gelangt man durch den schönen Wald über das Gelände eines Golf-Clubs nach der Querung der Bahnschienen Werders Ortsteil Kemnitz. 

Das Kemnitzer Gutshaus ist einen Abstecher wert

Kemnitz, sicher auch eine slawische Gründung, gehörte im Mittelalter zur kleinen Adelsherrschaft der „von Rochow“. Schon 1375 wurde das Dörfchen im Landbuch Karl IV. erstmals erwähnt. Einen Abstecher wert ist das alte Gutshaus aus dem Jahre 1702, das zu DDR-Zeiten als Wirtschaftsgebäude genutzt wurde. Davon ist nichts mehr zu erkennen, ein privater Investor hat hier mit aufwändigen Sanierungen unter Erhalt vieler schöner Details Privatwohnungen errichtet.

Die Neben- und Wirtschaftsgebäude der Gutsanlage stammen überwiegend aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und liegen teilweise direkt am Plessower See. Nur ein paar Schritte weiter bleiben wir vor der hübschen Kirche stehen. Der kleine rechteckige spätgotische Bau ist aus Feldsteinen errichtet. Die Kirche ist als Baudenkmal gelistet. Die örtliche Gastronomie macht mit einer eigenen Brauerei und einer viel gelobten Küche auf sich aufmerksam. 

Nach ein paar Schritten erreichen wir den Plessower See, deren teilweise anspruchsvollen Uferweg wir bis Werder (Havel) nicht mehr verlassen. Aber eben diese Strecke hält so viele kleine und größere Momente des Erstaunens ob der herrlichen Natur bereit, dass es eine Freude ist, hier entlang zu wandern.

Der Große Plessower See ist etwa 3,2 Quadratkilometer groß und über 5 Kilometer lang. Seine größte Breite ist 1325 Meter! An einigen Stellen kann man bei entsprechenden Temperaturen ein Bad in dem klaren Wasser nehmen, im Uferbereich ist das Wasser meist lange flach. Die durchschnittliche Tiefe des fischreichen Sees wird mit 4,5 und die tiefste Stelle mit 16 Meter angegeben. Motor- und Segelboote sind auf dem Plessower See nicht erlaubt. 

Von Werders Höhen in die City

In Werder angekommen verlassen wir den Uferweg an der Gertraudenstraße. Die führt durch ein Wohngebiet zur Kemnitzer Straße. Dort angekommen, wenden wir uns nach links und folgen dem Straßenverlauf bis zur nächsten Kreuzung, Vor dem städtischen Gymnasium mit großer Sporthalle biegen wir in die Hagenstraße ab. Bergauf geht es bis zur Straße Hoher Weg. Dem wieder abwärts folgend erreichen wir das Gelände der Friedrichshöhe, einer der fünf ehemaligen Höhengaststätten der Stadt.

Die traditionsreiche Friedrichshöhe ist im Privatbesitz und heute recht verfallen. Dennoch lohnt ein Abstecher, denn von der großen Freifläche hat man einen Panoramablick, der seinesgleichen sucht. Wer die Abkürzung die Treppe von der Friedrichshöhe nimmt, ist schnell am Bahnhof und kann hier mit dem Regionalexpress 1 schnell die Landeshauptstadt Potsdam oder Berlin erreichen.

Wir wollen aber noch in die Innenstadt und spazieren nach dem Besuch der Friedrichshöhe weiter den Hohen Weg hinunter. Vorbei kommen wir an zwei weiteren Höhengaststätten: der Gerlachshöhe und der Bismarckhöhe. Die gehört der Stadt Werder (Havel) und rühmt sich, den schönsten Ballsaal des Landes zu besitzen. Im Sommer wird ein Biergarten betrieben. Wer sich hier zu einer Rast niederlässt, hat erneut einen wunderschönen Blick über die Stadt bis Potsdam und Berlin.

Am Ende des Hohen Weges wenden wir unsere Schritte nach rechts. Am Ende dieser kleinen Einbahnstraße am Plantagenplatz befindet sich auf der rechten Seite die Tourist-Information der Blütenstadt. Im denkmalgerecht sanierten Lindowschen Haus holen wir uns Inspirationen für weitere Wanderungen oder andere Freizeitmöglichkeiten und alles Wissenswerte über Werder (Havel).

Von der Haltestelle „Post“ am Plantagenplatz kommt man mit dem Bus zurück zum Bahnhof, nach Potsdam oder in andere Richtungen.

Ihre Tourist-Information

Die Kemnitzer Kirche. Foto: Stadt Werder (Havel) / elfe
Die Kemnitzer Kirche. Foto: Stadt Werder (Havel) / elfe

Werder (Havel), 22.02.2021